Review: Imperia – The Last Horizon

Imperia The Last Horzion Beitragsbild

Release: 26.03.2021

Genre: Symphonic Metal, Folk Metal

Spieldauer: 1 Stunde 12 Minuten 35 Sekunden

Label: Massacre Records

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Tracklist:

  1. Dream Away
  2. Starlight
  3. To Valhalla I Ride
  4. Flower And The Sea
  5. Blindfolded
  6. While I Am Still Here
  7. Only A Dream
  8. Where Are You Now
  9. I Still Remember
  10. Dancing
  11. My Other Half
  12. One Day
  13. I Send You My Love
  14. Let Down (Piano Version)

Imperia The Last Horzion Cover

Mit The Last Horizon legen Imperia ihren sechsten Longplayer vor, lässt man das Seitenprojekt Angel sowie die Best of – Compilation Queen Of Passion einmal außen vor.

The Last Horizon kommt als schickes 2-CD Digipak daher und bietet Stilvielfalt im Songwriting sowie epische Sounds. Das Line-Up verzeichnet mit dem Niederländer Merijn Mol einen neuen Drummer, ansonsten gibt es seit der Gründung der Band im Jahr 2004 aber kaum eine nennenswerte Veränderung.
Diese Konstanz führt jedoch nicht zu einer möglichen Stagnation, sondern bewirkt einen Reifeprozess an Kreativität und Professionalität. Das neue Album legt davon Zeugnis ab.

Gleich der erste Track, Dream Away, zeigt, was Symphonic Metal kann und wofür dieses Genre steht. Die Stimme und das Gesicht von Imperia werden natürlich personifiziert von Helena Iren Michaelsen, die ihren Gesang hier gekonnt variiert, bis sich ihr Sopran in dramatische Höhen aufschwingt, konterkariert von verhaltenen Growls. Das melodiöse Riffing unterstützt die träumerische Realitätsflucht der Lyrics.

Sehr folkig geht es mit Starlight weiter, wobei man sich für die Violinenparts professionelle Unterstützung von Henrik Perello, Mitglied des Orchesters der finnischen Nationaloper, geholt hat. Das anschließende heroische To Valhalla I Ride würde besonders inhaltlich mit seinen martialischen Refrains und epischen Schlachtengemälden auch einer Band wie Amon Amarth gut zu Gesicht stehen oder den True Metal – Veteranen von Manowar. Dank Helenas wunderbaren Gesangs fühlt man sich förmlich auf eine große Konzertbühne versetzt und ich kann mir vorstellen, dass dieser Song live nochmals genialer daherkommt, besitzt er doch eine unglaubliche visuelle Kraft.

Flower And The Sea reiht sich nahtlos in die Serie epischer Folksongs auf diesem Album ein und würde jeder Mittelalter-Band zur Ehre gereichen. Helenas stimmliche Kunst verzaubert und transportiert die magische Stimmung der Lyrics kongenial.

Nachdem Blindfolded sowohl an musikalischem Tempo wie auch an Bombast nochmal eine Schippe drauflegt und eine orchestrale Atmosphäre kreiert, schließt mit dem sehr balladesken sowie melancholischen While I’m Still Here, welches dem Hörer stellenweise eine sehr bluesige Helena Michaelsen präsentiert, die erste CD ab.

Die Verarbeitung all der verschiedenen und teils sehr emotionalen Eindrücke verlangt förmlich nach einer kurzen Pause bevor die zweite Disk in den Player wandert.

Diese startet kraftvoll wie auch lyrisch träumerisch mit Only A Dream. Zarte Pianotöne kulminieren in bombastische Klangteppiche. Bei Where Are You Now kommt erneut die Violine zum Einsatz, glänzt hier aber mehr durch schmeichelnde Passagen, die die poetischen Lyrics sehr schön unterstreichen, wobei ich allerdings sagen muss, dass mir dieser Song von seiner Machart her einfach zu zuckersüß und damit nur schwer bekömmlich ist.

In I Still Remember hat mir erneut Helenas Sopran und damit der opernhafte Charakter dieses Tracks außerordentlich gut gefallen. Melodieführung und Riffing haben mich zudem an die ikonischen Theatre Of Tragedy, zu ihren besten Zeiten mit Liv Kristine erinnert. Einer meiner Favoriten mit Gänsehautgarantie und ganz großes Kino.

Bereits bei den ersten Tönen von Dancing drängten sich mir Gedanken an Madame Butterfly auf, die dann aber schnell assoziativ von asiatischen in arabische Gefilde wechselten. Ein zumindest kompositorisch etwas schräger, aber nicht uninteressanter Track.

Mit My Other Half haben Imperia einen Song geschrieben, der sich bestimmt in jedes zweite populäre Musical problemlos integrieren lassen könnte. Mit seinem Schmachtgesang leider ein Tick zu schnulzig. One Day ist inhaltlich zwar kaum besser, aber musikalisch wenigstens etwas treibender, fordernder. I Send You My Love ergeht sich ebenfalls in schwülstigen Liebesphrasen und fällt zudem qualitativ stark ab.

Mit dem melancholischen und sehr reduziert instrumentierten Let Down sind wir am Ende eines doch recht zwiespältigen Doppelalbums angelangt.

Eigentlich wollte ich es vermeiden, auf jeden Track im Einzelnen einzugehen. Nach dem ersten vollständigen Anhören, hat sich mir dann eine gewisse Notwendigkeit förmlich aufgedrängt.

Nach der durchweg starken und in allen Parts gefallenden ersten Scheibe, zerstört Disk 2 ziemlich rasch den positiven Gesamteindruck des ersten Teils des Longplayers und präsentiert sich mehr in einer Form innerer Zerrissenheit und hinterlässt die Frage nach dem Warum?
Selbstverständlich finden sich auch auf dem zweiten Tonträger absolute Highlights wie das bereits erwähnte I Still Remember, aber von den acht auf dem zweiten Silberling vorhandenen Songs konnten mich nur maximal vier überzeugen.

Stilistisch vielseitig und abwechslungsreich ist The Last Horizon definitiv, aber leider nicht immer im positiven Sinne. Statt der publizierten 14 Tracks, hätte es, nach meiner Ansicht, einer stringenteren Songauswahl bedurft, um dann ein Album mit maximal 10 Tracks zu veröffentlichen, an dem bestimmt nichts mehr zu kritisieren und das ohne Wenn und Aber zu goutieren wäre.

Sicher bewegt sich die Kritik auf hohem Niveau, denn Imperias Stärke ist eindeutig der charismatische Gesang von Helena Iren Michaelsen, deren wandelbare Stimme selbst bei den schwachen Tracks noch aufhorchen lässt. Dabei sollen die Leistungen der drei Herren an Gitarre, Bass und Schlagzeug selbstverständlich nicht unter den Tisch fallen und ebenfalls entsprechend gewürdigt werden. Legen diese doch das Fundament für die sphärischen Höhen, die Helenas dramatischer Sopran erklimmt und dadurch wiederum erst seine Wirkung beim Hörer in vollem Umfang entfalten kann.

Fazit: The Last Horizon ist ein Doppelalbum mit vielen Facetten, welches Genre-Grenzen sprengt und da am stärksten ist, wo symphonische Kompositionen mit folkloristischen Elementen eine Einheit bilden und hartes Riffing auf epischen Bombast trifft und dies alles garniert wird mit der Ausnahmestimme einer Helena Iren Michaelsen.

Über Stefan Bellack 4 Artikel
Geboren bin ich am 24.04.1959 in Offenbach am Main und wohne in Wiesbaden. Aktuell bin ich als Jobcoach in der Erwachsenenbildung tätig. Meine Interessenliste ist lang. Die Schwerpunkte bilden Literatur (Science Fiction, Fantasy, Horror), Musik (Hard Rock; alle Spielarten des Metal: Heavy, Death, Thrash, Black, Doom, Symphonic; Gothic, Mittelalter u.v.a.), Konzerte, Filme, Serien, Comics, Sammeln, Schreiben (Rezensionen, Reviews, Interviews, Event-Berichte). Außer für Dark-Art, schreibe ich Rezensionen für das Online-Magazin Geisterspiegel (www.geisterspiegel.de). Früher Redakteur beim Dark Feather Underground Zine, bei Dearly Demented und Beteiligung an vielen Fanzines wie Future Magic, Universe Today, Hyppolyta, Crossroads, Andromeda Nachrichten, Starlight u.v.a.

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