Review: Ephemeral EP

Review: Ephemeral EP
Label: Eigenproduktion
Erscheinungsdatum: 04. 04.2020
Genre: Neofolk
Spieldauer: 22 Minuten, 29 Sekunden
Traklist: 

  1. Yet Do I Know
  2. Wynter
  3. Ēarendel
  4. The Goblins’ Cry
  5. Love Will Stay

Bandcamp

Ephemeral – Ein starkes Wort, oder?

Vergänglich, kurzlebig, vorübergehend, flüchtig. Das Ganze lässt etwas Trauriges und Wehmütiges vermuten. Und genau so nennt sich das neue Neofolk-Trio aus Würzburg “Ephemeral”.

Die Mischung aus dem bis zu dreistimmigem Gesang, verschiedenen Flöten, Harmonium, Harfe, Keyboard, E-Gitarre und Percussion klingt auf dem Papier schon stimmig, kein Wunder, denn es sind Profis am Werk. Sängerin Ella bringt einiges an Erfahrung als Live-Musikerin mit, unter anderem begleitete sie in der Vergangenheit Fuchsteufelswild und Ignis Fatu auf Konzerten mit, war Mitglied bei Heiter bis Folkig und hatte bereits Gastauftritte bei Versengold, Saltatio Mortis und Waldkauz. Nik hat nicht nur Musik studiert, sondern ist auch Musikproduzent, sodass er auch die EP produziert hat.

Die Erwartungen sind demnach hoch.

Mit “Yet do I know” wird die EP eingeleitet. Der originale Text stammt aus dem 16 Jahrhundert von Thomas Wyatt. Arrangiert von Ella und Nik ist das Stück gemächlich und auch wenn der Text eine eher traurige Geschichte über Liebe, der man nicht entfliehen kann. Verleiht das Lied in Verbindung mit der leisen Melodie und den gut akzentuiert eingesetzten Low Whistle Parts ein wohliges Gefühl.

Mit “Wynter” gibt es eine weitere Adaption, diesmal aus dem 14. Jahrhundert, dem entsprechend in Mittelenglisch von einem unbekannten Dichter. Das Lied handelt von Vergänglichkeit. Das Jahr geht zur Neige, viele Menschen leiden unter sogenannten Winterdepressionen, einem tiefen Trauergefühl, dies ist kein Phänomen der heutigen Gesellschaft, diese Gefühle hatten bereits die Menschen im Mittelalter.

Im Anschluss folgt das Stück mit dem altenglischen Titel „Ēarendel“ (Morgenstern). Dieses Zwischenstück besteht aus einer sanften musikalischen Untermalung, welche dem von Patrick gesprochenen Text über den Stern, der niemals untergeht, gefühlvoll Atmosphäre einhaucht und „Gänsehautfeeling“ hervorruft. 

Danach kommt „The Goblin’s Cry“, ein Song, der bereits von Ella als Soloprojekt mit einem Video veröffentlicht wurde. Jedoch in einer neuen Version, die an musikalischer Raffinesse, noch einmal überarbeitet wurde und gut durch die an einen Mittelalter Markt erinnernden Percussions, so wie doppelstimmigen Gesangspassagen, das Drama der Sucht, die einen fesselt und in den Wahn treibt noch  intensiver zum Ausdruck bringt und die Grenzen von Realität und Schein verschmelzen lässt.

Das letzte Stück, das sich auf der Debutscheibe von Ephemeral befindet, nennt sich „Love will stay“ und stammt aus der Feder des Pianisten/Gitarristen Nik. Dabei handelt es sich um eine Ballade, welche durch die E-Gitarre gepaart mit einer tiefen Flöte einen schönen Ausklang des akustischen Erlebnisses der EP darstellt. Hier verschmelzen Elemente von Rock, Jazz und Folk und geleiten den Zuhörer sanft aus dem Land der Träume zurück ins jetzt und hier.

Mit ihrem Debut haben Ephemeral nun endlich die heiß erwartete Veröffentlichung geliefert. Eine Mischung aus klassischen und modernen Musikstilmitteln, wie ich es vorher in der Form noch nicht gehört habe. Mit vielen Klangfarben, die von Hoffnung über Melancholie bis hin zu Trauer jeden Zuhörer in große Emotionalität treiben und eine Musik, der jeder aus der Folk-, Mittelalter-, Rock-und Metalszene, der auf emotionale Musik steht, eine Chance geben sollte. Denn die Leidenschaft für Musik und das dazugehörige Know How der Musiker spürt man in jedem Ton.

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