Gernotshagen – Ode Naturae

Veröffentlichungsdatum: 24. Juli 2020
Label: Eigenvertrieb
Genre: Pagan Black Metal
Spieldauer: 66.6 Minuten
Tracklist:
  1. Erwachen
  2. Eibengang
  3. Eisenwald
  4. Blut für die Meute
  5. Fahle Wege
  6. Zyklus Tod
  7. Wildnis
  8. Transzendenz

 

Schon 1999 wurde die Band von Daniel „Askan“ Möller (Gesang) und Bastian „Daimonicon“ Techet (Gitarre) gegründet, dazumal noch unter dem Namen „Grafen von Gleichen“ mit der Ausrichtung auf Black Metal.
Kurz darauf stiessen Steffen Beck (Bass) und Maik Pomplun (Gitarre) zur Band, was auch einen Namenswechsel mit sich brachte, angelehnt an einen uralten Ort in der Nähe des Wallenburger Turmes: Gernotshagen!
Im Jahr 2000 kam dann Sebastian Jung (Keyboard), sowie Jahres darauf Tobias Völker (Schlagzeug) dazu, was die Band vorerst komplettierte.

Nach dem ersten Demo Infinitus Malum im Jahr 2001 zogen sie sich darauf in das Power-Track-Studio in Schmalkalden zurück um im darauf folgenden Sommer ihr Debüt Album zu präsentieren: Wintermythen!

Es folgten Auftritte mit u.A. XIV Dark Centuries und Menhir, während parallel weiter an neuen Stücken gearbeitet wurde, welche 2007 als Märe aus wälderen Hallen unter Trollzorn Records erschien und ihren Durchbruch in der Black/Pagan Szene bedeutete.

Weitere Auftritte mit Heidevolk, Týr, Suidakra, Kampfar, God Dethroned, Black Messiah und vielen weiteren Bnads folgten in dieser Zeit, deren Siegeszug 2011 in der Release des Weltenbrand Albums gipfelte. Nur einen kleinen Verlust musste die Band in diesem Jahr hinnehmen, denn Tobias verließ das Schlagzeug und wurde durch Marcus Röll ersetzt.

Trotz vieler weiterer Konzerte auf Touren und namhaften Festivals, wurde es musikalisch still um die Band, was teilweise schon zum Running Gag ausgeartet ist. 
Eines der Highlights, wenn auch aus traurigen Anlass, war ihr Auftritt am Dark Troll Festival 2018, an dem Maik sie nach 19 Jahren an der Gitarre verliess und somit Roman Senschuries als Ersatz geholt wurde.

Doch nun ist es endlich soweit, nach diversen Ankündigungen über den Winter: von ersten Konzept Bildern, über das Cover, einen Teaser auf YouTube, bis hin zum PreOrder Merch, wird am Freitag 24 Juli 2020 die Ode Naturae (Lat. Ode an die Natur) aus dem Thüringer Trusetal heraufsteigen.

Während Weltenbrand mythologischen Ursprungs war, mit Themen des Kampfes, Krieges und Todes, besinnt sich die Band zurück auf ihre natürlichen Wurzeln.
Schon allein im Design des Covers sowie des sehr gelungenen Booklets, spiegelt sich die Atmosphäre dieses Werkes wieder. Wenn auch die Lyrics sich teilweise mehr vom Hintergrund hätten abheben können.
Ein Album voller Naturgeister, dem Untergang der Menschheit, Wildnis, Leben und noch mehr Tod,  die neue Scheibe soll dunkler, tiefer und misanthropischer denn je werden:
66.6min reiner Thüringer Pagan Black Metal!

1. Erwachen
Langsam erwacht die Natur im Album, mystisch gibt das Keyboard ein paar Töne von sich, begleitet von Adlerschreien, Elch- und Hirschgebrüll und Knacken im Wald, bis sich die Spannung in der Mitte des Tracks bricht, um sich wieder neu aufzubauen.
Gernotshagen haben wie schon bei Weltenbrand ein episches Intro geliefert, welches jetzt auch hier nahtlos vom Erwachen in den Eibengang übergeht.

2. Eibengang
Versprochen finster und misanthropisch geht es mit einem Track los, der einerseits die Wucht von Gernotshagen mit sich bringt, lyrisch aber auch die Düsternis anspricht, jedoch auch auf Wiedergeburt und Neuanfang verweist.
Askan’s Growls wechseln sich mit Backingvocals ab, von harten Riffs über melancholisch auslaufende Stellen, die wieder mit einem Schrei zurück in die Härte gerissen werden.

Symbolisch finde ich die Eibe hierbei noch passend, da Eibenmännchen in der keltisch/irischen Mythologie Geschöpfe der Morrigan sind, auch wenn ich hier vielleicht etwas zu viel hinein interpretiere.

Von Gedanken verlassen, es schwindet das Licht,
vom sterben berührt, verblasst mein Gesicht!

3. Eisenwald
Zum Titel Eisenwald selber finde ich jetzt nur ein Black Metal Label, sowie die Stadt Iserlohn in Nordrhein-Westfalen.
Hier wird er jedoch eher symbolisch für die Knechtschaft der Menschheit stehen, welche sich durch Religion und Gesellschaft selbst in rostige Ketten legt.
Somit ein Pagan Metal Song im alten Gewand mit aktuellen Themen, wenn auch mit dezenten Anspielungen auf Bereiche, ein allgemeiner Ruf aufzuwachen verpackt im typischen Gernotshagen Musikstil.

Steht auf, die Fäuste den Lügen hart entgegen. Wacht auf, aus gesellschaftlichen Schemen.
Steht auf, fernab von maroden Wegen. Wacht auf, inmitten aufgezwungener Riten.
S t e h t a u f ! . . s t e h t a u f ! . . . . s t e h t a u f ! . . . wacht a u f !
Verhangen war all eure Freiheit, mit Furcht gesäumt das vermodernde Tuch.

4. Blut für die Meute
Wo Eisenwald gleich mit Lyrics startet, gönnt sich BfdM ein typisches Intro der Band, welches sich gute 1 ½ Minuten aufbaut, bevor Askan mit seiner Stimme die ersten Töne von sich gibt.
Thematisch folgend, wird hier jetzt zur Hatz gegen all jene geblasen, die im letzten Track indirekt angeklagt wurden.
Der Song ist härter ausgelegt und erinnert wieder an einige Stücke aus Weltenbrand, auch die eher ruhigeren Zeilen strotzen vor Energie und werden durch Growls, Clear- und Backvocals abgewechselt.

Ahnungslos was nun endlich lebt,
nicht wissend, was sich hinter
euch erhebt.
Erstickend in Schuld, betend um
Hilfe, seid ihr nicht mehr wie das
Blut für die Wölfe!

5. Fahle Wege
Zwischendurch gibt es eine kleine Horrorgeschichte, wer aber auf den fahlen Wegen aus dem Wald kommt, um die Siedlung zu terrorisieren, wird nicht verraten.
Jedoch fallen mir hier ein paar grausige Gestalten (neben Askan selbst) ein, welche hier um die Häuser ziehen könnten und unvorsichtige Opfer zurück in den finsteren Frost zerren.

Verächtlich stumpf mit kalter Hand, zerr`ich euch zu den fahlen Wegen.
Bestialisch endet euer Leben.
Rippen, Schädel, blanke Knochen, bleibt schönste Zier auf Wald und Flur.
Denn alle menschlichen Gebeine sind die Trophähen in der Natur.

6. Zyklus Tod
Ein Lied über den Winter, welcher jedes Jahr den Zyklus des Todes bringt um dann erneut aufzutauen und Leben zu schenken. Trotz des Namens, ein eher hoffnungsvolles und (für Gernotshagen) fröhliches Stück.
Ruhig vorgetragen, treten die harten Instrumente in den Hintergrund und das Keyboard nimmt meist melodisch die Führung an.

7. Wildnis
Die Gangart wird wieder mehr auf Riffs und Schlagzeug gelegt, nach einem wilden 40sec Intro folgen gleich die Growls.
Der tägliche Kampf um Leben und Tod, zwischen Jäger und Beute wird hier thematisiert. Die (weiblichen?) Backvocals werden mehr eingesetzt und hallen wie der Ruf der Wälder wieder.
Gegen Ende läuft es wieder auf die Verachtung des Menschen heraus, der sich zwar als König wähnt, doch in der Zeit der Natur, nur einige Augenblicke existiert und wieder zu verrecken.

So kämpft das Tier um täglich Leben, als Beute mit der Angst zu sterben.
So kämpft das Tier als Jäger auch. Der Wildnis hart und fairer Brauch.
Erbarmungslos auf allen Wegen, es passt sich an mit stet`gem Streben.
Alles schaut so dürster drein, so schön kann nur die Wildnis sein.

8. Transzendenz
Der letzte Song zieht sich mit 17 Minuten fast doppelt solang wie die anderen Songs und gleitet gegen Ende stark in den Hintergrund.
Die Botschaft dieser möglicher Erfahrung (Transzendenz) bleibt mir im Verborgenen, mehr kann man diesen ruhigen Song als Ausklang des Albums bezeichnen der die Stimmung des Gesamtwerkes wieder einfängt. (und vielleicht beiträgt auf exakt 66.6min zu kommen)

Fazit:
Gernotshagen liefern nach all den Jahren ein düsteres Werk ab, das die misanthropischen Seiten der Band weiter hervorhebt. Der Fokus liegt hier mehr auf dem Kampf zwischen Mensch und Natur, bzw. dem Niedergang ersterer was ihren Musikstil mehr in die Richtung Black Metal abdriften lässt als noch vorher.
Alles in allem ein durchgehend gutes, atmosphärisches Album welches die gewünschte Stimmung am besten an einer regnerischen Dämmerung im Wald entfaltet und somit 8.5/10 Hirschschädel von mir bekommt.

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