Festivalbericht: Prophecy Fest 2021

Festivalbericht: Prophecy Fest 2021

 

Das Label-eigene Festival von Prophecy Productions, das Prophecy Fest, durfte dieses Jahr wieder einmal stattfinden und konnte bis zu 999 Fans aus der ganzen Welt in die Höhle von Balve im Sauerland locken. Für das Label war es nicht nur wegen dem vorläufigen Ende der Konzertabstinenz ein ganz besonderer Moment, nein, es wurde zugleich das 25. Jubiläum gefeiert und entsprechend die Arbeit und Hingabe von Gründer Martin Koller und seines Teams seit dem Beginn eines kleinen Mailorders aus Wittlich gewürdigt. Dazu wurde dem Fest zu diesem Anlass nicht nur ein weiterer Tag hinzugefügt, sondern auch allen Anwesenden ein Geschenk, dem Ganzen mehr als gerecht wird. Schon immer durften sich Besucher des Prophecy Fest über ein kleines Buch mit Compilation-CDs, Vorstellung und persönlichen Nachrichten der dort auftretenden Künstler freuen, doch dieses Jahr wurde eine Schippe draufgelegt und, neben einem schicken Festivalbecher, die „Label Anthology“ mit hinzugefügt. Das bedeutet im Klartext: zwei CDs mit dem Besten von Prophecy-Künstlern aus 25 Jahren, zwei weitere CDs mit jeweils einem Lied jeder Band des diesjährigen Programms, sowie auf über einhundert Seiten die Geschichte des Labels, die komplette Diskographie und Berichte von allen Festivals, Touren und Konzertnächten von Prophecy auf Englisch und Deutsch. Ein wundervolles Buch, nicht nur schön aufgemacht, sondern wahnsinnig informativ für jeden, der einen Blick in die Vergangenheit, die Entwicklung des Labels und die Musik dabei werfen möchte. Wer nicht vor Ort war und sich nun ärgert, dieses Buch nicht in den Händen halten zu können, der sei beruhigt; bei einer Spende von plus 40 US-Dollar bekommt jeder dieses zugeschickt. Den Link dazu findet sich in den Live-Streams des Festivals auf YouTube, denn auch wenn Covid-19 weiterhin Pläne durchkreuzt, hat während dem Festival eine große Crew dafür gesorgt, dass die Musik jedem zugänglich wird. Aber nun, ohne weitere Umschweife, zum musikalischen Teil:

 

Tag 1

Der erste Tag gestaltete sich sehr locker und brachte einen sanften Einstieg in die kommenden zwei Tage. Draußen vor der Höhle, auf der Zeltwiese wurden große Zelte und eine kleine Bühne aufgestellt, wo mehrere Künstler in Abwechslung einige Akustik-Sets zum Besten gaben. Den Anfang machte die Combo aus Frankens Neofolk-Künstler Zwischenlichten und Martin van Valkenstijn der Black Metal-Gruppe Mosaic aus Thüringen. Letzterer beginnt, in Hemd und Anzug mit Teetasse, mit einer Darbietung seiner Schreikünste, die doch eher eine Black Metal-Version des Jodelns zu sein scheinen. Seine Verwendung einer BC Rich Warlock für cleane Töne macht sein Auftreten nicht weniger merkwürdig, schadet aber nicht dem Sound und stimmt alle Anwesenden schön in das Kommende ein. Sein fränkischer Kollege hält es da ein bisschen schlichter und begibt sich nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet auf die „Bühne“, welche im Prinzip nur ein Zelt mit Blumendekoration war, aber dem lockeren Umfeld sehr passend einen Raum gibt. In seiner Singer-Songwriter Manier kommt er etwas ruhiger daher und zeigt zum ersten Mal in der diesjährigen Version den Neofolk des Labels auf. Zwischen den Auftritten gelang ein weiterer feiner Zug zur Feier des Labels; Freibier und kostenloses Essen ist immer gerne gesehen und hat den ersten Besuchern entsprechende Freude gebracht, die auch durch den einsetzenden Regen nicht getrübt werden konnte. Mit dem Entzünden der Feuerschalen kamen dann in Abwechslung mit den zuvor genannten Künstlern, deren Programm auf den Namen „Nordwald Music“, bezogen auf die fränkischen und thüringischen Wälder, hört auch noch Neun Welten, einer Dark-Folk-Gruppe aus Halle und Vrîmuot aus dem Teutoburger Wald, die ebenfalls Neo-/Dark-Folk spielen. Mit zusätzlichen Streichern blieb die Musik also weiterhin eher ruhig und gediegen, ohne aber große Langeweile aufkommen zu lassen. Auch wenn der erste Tag, neben der Würdigung Prophecys und dem Freibier, so eher für Neofolk-Fans geplant wurde, ist es doch ein schöner erster Abend geworden, der nicht zu viel der Energie kostete, die für die nächsten zwei Haupttage gebraucht wurde.

 

Tag 2

Der erste reguläre Festivaltag wurde wieder, diesmal einen kompletten Aufritt, mit Vrîmuot begonnen. Ein sanfter Einstieg; Neofolk im akustischen Stil mit viel Perkussion. Die Gruppe ein zweites Mal zu hören und zu sehen war sicherlich weniger eintönig als es sich vermuten ließe. Der erstmalige Besucher konnte sich so schon früh einen ersten Eindruck von der Atmosphäre des Festes machen. Licht, Sound und Darstellung wurde wie in den Jahren zuvor wieder sehr gut umgesetzt. Die Musik selbst ließe sich vielleicht eher als solche beschreiben, die man normalerweise weniger live, sondern eher im ruhigen Umfeld zuhause oder an einem angenehmen Ort hören würde, trotzdem hat sie auch hier nichts von ihrer Intention verloren. Zudem passte sie auch insofern gut zur frühen Mittagszeit, als dass sich Besucher erst einmal einen Überblick über das Gelände verschaffen, das Merch begutachten und nebenbei schon erste Klänge vernehmen.

Mit der zweiten Band wurde es nicht härter; St. Michael Front greifen zur Akustikgitarre und bringen mit cleanem Gesang und fast filmähnlichen Soundtrack Klängen aus der Box eine relativ simpel gehaltene Show auf die Bühne. Auch hier wirkt diese zwar recht leer, doch nicht weniger begeisternd für die Anwesenden. Der okkulte, man kann es schon fast sagen, Pop, kommt ohne großes Tamtam aus und überzeugt mit ruhiger und lockerer Darbietung ihrer Songs, die wohl den meisten für Prophecy-Verhältnisse etwas untypisch vorkommen möge, aber dennoch sehr gut ins Gesamtkonzept passt. Als ein bisschen repetitiv und sich ziehend könnten Kritiker den Auftritt dennoch bezeichnen, doch in Verbindung mit Filmszenen im Hintergrund, wie auch schon zuvor, und in Anbetracht der frühen Zeit legen auch sie einen soliden Auftritt hin, den man auch als Metal-Fan in Teilen als „ergreifend“ bezeichnen könnte.

Um kurz vor drei ist es dann endlich soweit für jene, die sich bis hierhin gelangweilt haben mögen. Mit Markus Stocks erstem Auftritt auf dem diesjährigem Prophecy Fest bringt sein Black Metal-Projekt Sun of the Sleepless einen ersten großen Höhepunkt in die Balver Höhle. Bei seinem Hintergrund und seiner besonderen Verbindung zum Label war es natürlich ein Muss ihn hier zu Ehren von 25 Jahren Prophecy Productions spielen zu lassen. Eine langgezogene, fast schon sakral anmutende Einleitung ebnet den Weg zum großartigen Black Metal aus seiner Feder, die natürlich die gesamte Stimmung auf den härten Stil der Musik deutlich hebt. Natürlich lockt diese Show bis dato die meisten Besucher an, die Bedeutsamkeit lässt sich nicht übersehen. In gewohnter Manier wechseln sich atmosphärische clean-Pars und harsche, zum Headbanging motivierende Riffs ab, die die Menge sehr animieren und in gute Laune bringen. Zum Sound muss nicht viel gesagt werden, es handelt sich schließlich um Markus Stock und das Prophecy Fest, das in diesem Punkt immer überzeugen konnte.

Wieder den deutschen Neofolk vertretend betraten anschließend Hekate die Bühne und boten eine schöne Abwechslung zum vorherigem Black Metal-Gewitter. Ein aufwändiges Set, hauptsächlich mit viel Perkussion und cleanem Frauen-, sowie Männergesang, wurde den Hörern dargeboten, welches sich wohl mit dem Adjektiv „hypnotisch“ am besten beschreiben ließe. Zwei Drumsets sind durchaus eine Rarität und wurde nochmal durch eine weitere Tom ergänzt. Soundtechnisch astrein gaben sie den Anwesenden ein kleines, wenn auch nicht weniger, im positiven Sinne, anstrengendes Zwischenspiel zum Besten bevor der Black Metal weitergeht.

Denn der nächste Auftritt hatte es in sich und das in vielerlei Hinsicht. Zum wohl allerletzten Mal hatten wir die Gelegenheit, eine Band live sehen zu dürfen, die nicht nur sehr einzigartigen, sowie großartigen Black Metal spielte, sondern ebenso ein Aushängeschild für das Genre in Osteuropa beziehungsweise konkreter Rumänien war. Negură Bunget wurde nach dem Tod des Schlagzeugers Gabriel „Negru“ Mafa und der anschließenden Auflösung der Band im Jahre 2017 nochmal auf die Bühne gebracht. Verantwortlich dafür waren Dordeduh, die sich nach dem Ausstieg des Gründers Edmond „Hupogrammos“ Karban und dem ehemaligen Mitglied Cristian „Sol Faur“ Popescu zu einem neuen Projekt zusammenfanden. Auch wenn es für ersteren, nach eigener Aussage, nicht allzu einfach war, sich zurück in diese Zeit zu begeben, so haben sie diese Show trotzdem für die Fans organisiert, die noch einmal die Band sehen wollten. Entsprechend emotional wurde es in der Höhle und die Stimmung und Begeisterung der Anhänger war sehr deutlich zu spüren. Gespielt wurde hauptsächlich das Album Om von 2006 mit dem Song Țesarul de lumini als krönender Abschluss. Unabhängig von Sound oder Umgebung gibt es einfach Konzerte, die einen Hörer zutiefst berühren und sprachlos stehen lassen. Hier haben wir ein solches gesehen und können im Endeffekt nur dankbar sein für all die Musik, die wir von ihnen hören durften und weiter hören werden.

Anschließend wurde es mit Dornenreich nochmals etwas ruhiger. Die Neofolk und Black Metal Kombination aus Tirol brachte für dieses Jahr ein spezielles Akustik-Set in die Balver Höhle, bestehend aus Gitarre und Streicher. Natürlich fehlt hier der besondere Reiz der Albumproduktionen, aber dennoch wurde das Publikum in eine ganz spezielle Atmosphäre gehüllt, die sich doch sehr passend in das gesamte Line-up einfügt. Vielleicht ist es auch eben das simple Konzept, dass wieder einen neuen Blick auf Alben wie Her von welken Nächten möglich machte und somit ein einzigartiges Gefühl hinterlassen konnte. Nicht für jeden, aber trotzdem einen Besuch wert, zumindest für die Erfahrung.

Ein weiterer besonderer Auftritt ereignete sich dann mit den britischen Rockmusikern um Arthur Brown. Exzentrisch und kreativ zeigt sich der Musiker mit Helmen, Schminke und Kostümen, die in einer solchen Form definitiv einzigartig ist. Musikalisch braucht es wohl keiner großen Beschreibung der bekannten Crazy World of Arthur Brown, klassischer Rock mit psychedelischen Elementen, der mit einer der größten Höhepunkte für viele Besucher gewesen zu sein schien. Das Besondere verbleibt in der Tatsache, tatsächlich ein Konzert dieses Künstlers gesehen zu haben, schließlich ist der Mann schon stolze 79 Jahre alt und noch immer mehr als fit und engagiert, musikalisch wie auch Show-technisch. Wenn auch selbstverständlich gediegener als noch in den 60er Jahren, so handelte es sich hier um ein Muss aufgrund der Möglichkeit, unabhängig von der eigentlichen Musik.

Kommen wir nun also zum ersten Headliner eines Festivals, das von sich selbst behauptet, keine Headliner zu haben. Ja, man muss anerkennen, dass der Fokus in der Aufteilung des Line-ups nicht auf der Bekanntheit der Bands liegt, doch die Black Metal-Band Primordial aus Irland am Mittag spielen zu lassen, wäre wohl auf größtes Unverständnis getroffen. Warum sie als letzte Gruppe des ersten Festivaltages spielen, lässt sich unschwer an der Masse des Publikums und am Verhalten des Sängers, der sich seiner Rolle mehr als bewusst ist, erkennen. Viel Interaktion, viel Show, aber eben auch sauberer Black Metal, wie man ihn auf einem solchen Fest erwarten kann. Im Vergleich zu vorherigen Bands und solchen, die noch kommen würden, war der Auftritt jedoch nichts besonderes in dem Sinne. Sie taten, was sie konnten und das grundsolide mit gutem Sound. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Um es positiv auszudrücken; was braucht es denn mehr als das? Von daher ein gelungener Auftritt der Iren, der den Fans sicher viel Freude bereitet hat.

Tag 3

Da die ursprünglich erste Gruppe des Samstages, Fvnerals, Post-Rock/-Metal aus England, kurzfristig absagen musste, machten die Italiener von Spiritual Front den Auftakt. Sich selbst als „Nihilist Suicide Pop“ bezeichnend machten sie enorm Stimmung und Laune, und das zu früher Mittagsstunde. Obwohl es doch für Prophecy musikalisch auf den ersten Blick nicht sehr alltäglich wirkt, so boten sie eine sehr schöne Abwechslung, die sich alles andere als langweilig anhören lässt und die Leute, die es hierher schon geschafft hatten, zu neuer Energie mobilisierte. Denn offenkundig hat Sänger und Gitarrist Simone Salvatori viel Energie zu verteilen und brachte diese mit Elan auf die Bühne. Es erscheint überraschend, dass diese Band als erste spielte, denn, gewagte These, hätten sie am Abend gespielt, so wären wahrscheinlich mehr Leute da gewesen, mit mehr Alkohol und man hätte den Boden vor der Bühne wohl neu pflastern müssen. Positiv anzumerken in Richtung der Veranstalter ist wieder, dass alle Künstler eine angemessene Spielzeit bekamen, hier bei der ersten Band sogar ganze 50 Minuten.

Nach ihrer circa zweijährigen Pause kamen dieses Jahr auch Eïs zurück und boten uns im gewohnten Stil einen Sound, der seines gleichen sucht. Nichts von ihrer Energie verloren zu haben scheint, erschüttert die Mannschaft um Sänger und Bassist Alboin die Höhle in feinster Black Metal-Qualität. Dabei wurden nicht nur Songs vom beliebten Wetterkreuz Album von 2012 gespielt, sondern auch vom Debüt Patina und dem ersten Album bei Prophecy beziehungsweise Lupus Lounge Galeere, die noch unter dem Namen Geïst entstanden. Nicht nur bei ihnen sieht man die Wertschätzung des Labels sehr deutlich, in den Ansprachen und Glückwünschen, sowie in den kleinen Interviews des Livestreams.

Begeistern konnten auch die Schweizer Post-Doomer von E-L-R. Das kraftvolle weibliche Duett an Gitarre und Bass mit Drummer brachten mit cleanem Gesang und Gitarre und Bass einen beeindruckenden Auftritt auf die Bühne, der als abwechslungsreich, aber auch hypnotisch repetitiv bezeichnet werden könnte. Dies war sicherlich für viele ein Höhepunkt, der der Band einige neue Fans bringen wird. Mit ihrem Debütalbum Mænad haben sie einen Grundstein gelegt, auf dem wir mit Sicherheit noch viel gute Musik hören werden.

Mit den Römern von Klimt 1918 trat wieder einmal eine Band auf den Plan, die ohne Probleme auch auf Festivals spielen könnte, die mit Metal rein gar nichts zu tun haben. Zum ausgewogenen und abwechslungsreichen Mix von Prophecy passen sie jedoch perfekt in die Höhle. Besonders mit Songs wie Just an Interlude in Your Life boten sie den Anwesenden eine wirklich gute Alternative zum vorangegangenen Black Metal, um etwas Ruhe zu erfahren. Nichtsdestotrotz konnte es sich im Alternative Rock der Italiener verloren werden und ihr musikalisches Können zeigt einmal mehr, welch eine Fülle es an Künstlern gibt, die auch für Anhänger der härteren Gangart interessant und emotional sein können.

Im Anschluss kamen die Rumänen von Dordeduh erneut auf die Bühne und spielten ihr eigentliches Set, welches hauptsächlich aus dem aktuellen Album HaHHHar bestand. Die Mischung aus atmosphärischem Black Metal mit Folkelementen stellt sicherlich eine Besonderheit dar und ist in dieser Form wohl einzigartig. Hierzu zählt auch die Auswahl der Instrumente; neben Gitarren, Bass und Schlagzeug wurden unter anderem zwei sogenannte Țambal, ein Saiteninstrument, welches mit zwei Klöppeln angeschlagen wird, und ein Toacă, das zur Perkussion als hölzernes Schlagbrett hauptsächlich in der Orthodoxen Kirche verwendet wird, benutzt. Die Band brachte uns mit den besten Sound, den wir auf dem Prophecy Fest hören durften, und damit einhergehend eine sehr energievolle, wie auch atmosphärische Show, die es wert ist zu besuchen, sollte man diese Verschränkung von Stilen als interessant bezeichnen. Für Fans von Negură Bunget ist es schön zu wissen, dass die großartigen Fähigkeiten der Musiker in dieser Band weiterleben und uns auch weiterhin in diesem Genre begleiten werden.

Die Progressive Rock/ Doom-Band Dool aus den Niederlanden durfte als nächste ran und zeigten, warum sie in der Vergangenheit hoch gepriesen wurden. Düster und mystisch verhält sich der Auftritt, der doch in Teilen sehr rockig und gleichzeitig atmosphärisch emotional wird. Schon ein Jahr nach ihrer Gründung kamen sie zu Prophecy und sind seitdem mit ein Aushängeschild für die diverse und doch zusammenpassende und oft einzigartige Musik des Labels. Wenngleich der Stil auf Dauer nichts für jeden sein mag, lohnt es sich definitiv, ihnen eine Chance zu geben.

Zum Ende des Festivals kam als vorletzte Gruppe die hochgelobten Avantgarde Musiker von Deine Lakaien. Das deutsche Musikprojekt existiert schon lange und hat sich mittlerweile eine große Anhängerschaft erarbeitet. Entsprechend groß war das Interesse an diesem Auftritt, der mit Sänger und eigenem Flügel bestritten wurde. Für Fans war der Auftritt wohl keine große Überraschung bezüglich ihres Schaffens. Natürlich lässt sich hier wenig kritisieren, zu solide und ausgereift ist ihr Können. Für andere jedoch stellt sich die Frage, worin genau die Übereinstimmungen zu allen anderen Bands liegen sollen und was diese auf einem solchen Festival zu suchen haben. Ja, die Musik ist gut, aber gleichzeitig langweilig für jene, die komplett anderes gewöhnt sind und es erscheint schwierig, selbst für denjenigen, der sich als Musik- statt als einfacher Metal-Fan bezeichnet, sich ernsthaft in ihr Schaffen einzufinden. Hin oder her, sie haben viele Menschen begeistert und unnötig zu kritisieren, was man möglicherweise nicht versteht oder selbst fühlt, macht keinen Sinn. Das ist doch das Schöne an der Musik; es gibt viel Auswahl und jeder kann hören, was ihn berührt.

Auch an diesem Tag gab es natürlich einen gewissen Headliner; dieses Jahr waren es Empyrium um Mastermind Markus Stock, der am Vortag schon mit Sun of the Sleepless aufgetreten war. Mit dem jüngsten Werk Über den Sternen wurde uns einmal mehr wunderschöne Musik geschenkt, die im Vergleich vergeblich nach Konkurrenz sucht. Die Mischung aus Neofolk und Metal hat schlicht eine Magie an sich, die keine andere Band sonst auf die Bühne bringen könnte. Und auch dies war wieder der Fall; emotional ergriffen sind nicht nur jene, die sie bereits kennen, sondern auch neue Besucher, die gerade in diese Musik hereinfinden und daher das Prophecy Fest als idealen Ausgangspunkt gewählt haben. Soundtechnisch lief, selbstverständlich, alles glatt und die Atmosphäre, die projiziert werden soll, ist erneut nicht zuletzt aufgrund großartigen Lichtverhältnissen und der Höhle, mehr als gelungen. Besonders hervorzuheben ist der Sound des Basses von Fursy Teyssier, den wir auch von anderen Gruppen der Prophecy-Familie kennen, nicht zuletzt sein eigenes Projekt Les Discrets.

Fazit: keine großen Überraschungen, das Prophecy Fest 2021 konnte wie auch in den Jahren zuvor wieder einmal mehr als begeistern und das im Gesamtpaket. Künstler wurden passend zueinander ausgewählt und ergänzten sich wunderbar. Die Balver Höhle bewies sich erneut als der perfekte Ort für diese Veranstaltung. Für das 25. Jubiläum des Labels hätte die Feier nicht besser ausfallen können. Mit Prophecy Productions haben wir eine Garantie für feinste Musik aus den besagten Bereichen, die sie über all diese Jahre immer wieder unter Beweis gestellt haben. Für mich war es nach 2016 und 2019 der dritte Besuch und ich kann jedem, der sich in der Musik von Prophecy wiederfindet, dieses Festival nur wärmstens ans Herz legen. Es bleibt eine persönliche Wahrnehmung, aber im Vergleich zu „Party-Festivals“ ist dieses doch sehr ernst und hat den Fokus auf der Zelebrierung und ausführlichen Auseinandersetzung mit den Künstlern und ihrem Schaffen. Und genau das ist das Mindeste, was dieser Musik gerecht werden kann.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*